Unsere Mimik und unsere Gefühle stehen in enger Verbindung miteinander. Nicht nur unsere Emotionen beeinflussen unseren Gesichtsausdruck – umgekehrt können auch Gesichtsausdrücke auf unser emotionales Erleben zurückwirken. Auf diesem Zusammenhang basiert ein ergänzender Behandlungsansatz bei Depressionen mit Botulinumtoxin Typ A.
Dabei wird Botulinumtoxin gezielt in die Muskulatur im Bereich der sogenannten „Zornesfalte“ injiziert. Verschiedene wissenschaftliche Studien haben untersucht, ob diese Behandlung depressive Symptome positiv beeinflussen kann. Wenngleich eine offizielle Zulassung für den Einsatz bis dato nicht vorliegt, weisen die bisherigen Ergebnisse auf eine antidepressive Wirkung hin.
Ein möglicher Erklärungsansatz ist die sogenannte Facial-Feedback-Hypothese. Sie geht davon aus, dass unsere Gesichtsmuskulatur nicht nur Emotionen ausdrückt, sondern dem Gehirn gleichzeitig Rückmeldungen über unseren emotionalen Zustand vermittelt.
Das Zusammenziehen der Augenbrauen und das Stirnrunzeln sind häufig mit negativen Emotionen wie Anspannung, Sorgen oder Grübeln verbunden. Gerade bei Menschen mit Depressionen kann diese Muskulatur verstärkt oder dauerhaft aktiviert sein.
Durch die gezielte Injektion von Botulinumtoxin wird die Aktivität dieser Gesichtsmuskeln vorübergehend reduziert. Dadurch kann auch die entsprechende negative Rückmeldung der Gesichtsmuskulatur an jene Bereiche des Gehirns beeinflusst werden, die an der Verarbeitung und Regulation von Emotionen beteiligt sind.
Vereinfacht gesagt: Wenn der Gesichtsausdruck weniger stark negative Emotionen widerspiegelt, kann dies auch das emotionale Erleben positiv beeinflussen.
Gerne beraten wir Sie persönlich und klären gemeinsam mit Ihnen, ob eine ergänzende Behandlung mit Botulinumtoxin für Sie geeignet sein könnte.
Für weitere Informationen oder zur Vereinbarung eines Beratungsgesprächs erreichen Sie uns telefonisch unter +423 238 85 00 oder über unser Kontaktformular.
Die Behandlung mit Botulinumtoxin versteht sich als ergänzende „Add-on-Therapie“ die im «Off-Label-Use» angewandt wird. Botulinumtoxin ist generell als Arzneimittel zugelassen, eine Indikation für den Einsatz in der Psychiatrie speziell bei Depressionen wird von den Zulassungsbehörden aber bis dato ausgeschlossen. Sie ersetzt also eine leitliniengerechte Behandlung der Depression nicht.
Je nach individueller Situation kann sie zusätzlich zu einer Psychotherapie, einer medikamentösen antidepressiven Behandlung oder anderen etablierten Therapieverfahren eingesetzt werden.
Ob eine Behandlung mit Botulinumtoxin für Sie infrage kommt, klären unsere Ärztinnen und Ärzte vorab in einem persönlichen Gespräch. Dabei werden Ihre individuelle Situation, Ihre bisherige Behandlung und mögliche medizinische Gründe, die gegen eine Anwendung sprechen, berücksichtigt.
Vor der Behandlung findet ein ärztliches Gespräch statt. Dabei klären wir gemeinsam mit Ihnen, ob die Behandlung mit Botulinumtoxin für Sie geeignet ist, und besprechen den Ablauf sowie mögliche Nebenwirkungen.
Das Botulinumtoxin wird mit einer sehr feinen Nadel gezielt in die Muskulatur im Bereich der „Zornesfalte“ injiziert. Die Behandlung dauert in der Regel nur wenige Minuten und kann ambulant durchgeführt werden.
Die Wirkung des Botulinumtoxins entwickelt sich schrittweise in den Tagen nach der Behandlung und hält üblicherweise mehrere Monate an. Ob und wann eine erneute Behandlung sinnvoll ist, wird individuell mit Ihnen besprochen.
Da Botulinumtoxin bei Depressionen als ergänzende Behandlungsoption eingesetzt wird, führen Sie Ihre bestehende Therapie wie mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt vereinbart weiter.